Viele nehmen Videos im One-Take auf. Und grundsätzlich ist das auch genau richtig.
Ein One-Take spart Zeit, reduziert Technikstress und sorgt dafür, dass Videos natürlicher wirken. Trotzdem empfinden viele das Aufnehmen als extrem anstrengend – obwohl sie eigentlich „nur“ ein kurzes Reel drehen wollten.
Das liegt nicht am One-Take an sich, sondern daran, wie er umgesetzt wird.
Warum One-Takes oft unnötig anstrengend sind
Die meisten verstehen unter einem One-Take einen durchgehenden Monolog. Alles muss sitzen: Hook, Vorstellung, Inhalt, Abschluss – ohne Pause, ohne Versprecher, möglichst perfekt.
Am Anfang klappt das oft noch. Doch irgendwann kommt ein Wort, das komisch klingt, ein Gedanke, der abbricht, oder ein kurzer Hänger. Dann wird die Aufnahme gestoppt, neu angesetzt und versucht, exakt denselben Einstieg noch einmal genauso gut zu treffen.
Mit jedem Versuch steigt der Druck. Die Stimme klingt angestrengter, die Körpersprache wird steifer und aus einem eigentlich einfachen Video wird schnell eine zähe Angelegenheit.
Das Problem ist nicht der One-Take.
Das Problem ist der Anspruch, ihn als perfekten, durchgehenden Vortrag zu verstehen.
One-Take heißt nicht: alles ohne Pause
Ein One-Take bedeutet nicht, dass du ohne Unterbrechung sprechen musst.
Es bedeutet nur, dass du die Aufnahme nicht ständig stoppst.
Der entscheidende Unterschied ist simpel:
Zwischen deinen inhaltlichen Abschnitten machst du kurze Pausen.
Drei bis fünf Sekunden reichen völlig aus. Du bleibst in der Aufnahme, schaust ruhig in die Kamera und sprichst dann den nächsten Abschnitt. Mehr ist es nicht.
So bleibt es ein One-Take – aber ohne den Druck, alles in einem Rutsch perfekt sagen zu müssen.
Warum diese Art von One-Take besser funktioniert
Durch die Pausen entsteht automatisch Struktur. Jeder Gedanke steht für sich. Wenn du dich versprichst, wiederholst du nur diesen einen Abschnitt, nicht das komplette Video.
Gleichzeitig erleichtern die Pausen den Schnitt enorm. Sie sind saubere Schnittpunkte, an denen man problemlos kürzen oder neu anordnen kann. Keine harten Schnitte mitten im Satz, keine hektischen Übergänge.
Das Ergebnis wirkt ruhiger, klarer und professioneller – obwohl der Aufnahmeprozess deutlich entspannter war.
Wie du dein Skript dafür aufbauen kannst
Du brauchst dafür kein komplexes Skript. Wichtig ist nur, dass du dir vorher klar machst, welche Abschnitte dein Video hat.
Das kann ein vollständig ausgeschriebener Text sein oder eine Liste mit Stichpunkten. Beides funktioniert. Entscheidend ist, dass jeder Gedanke als eigener Abschnitt gedacht wird.
Eine Hook ist ein Abschnitt.
Jeder Tipp ist ein Abschnitt.
Der Abschluss ist ein Abschnitt.
Nach jedem Abschnitt folgt eine kurze Pause – ohne die Aufnahme zu stoppen.
Das erlaubt auch, Varianten aufzunehmen. Du kannst eine Hook zwei- oder dreimal leicht unterschiedlich sprechen oder einen Tipp einmal kürzer und einmal ausführlicher formulieren. Diese Varianten kosten kaum Zeit, geben dir im Schnitt aber deutlich mehr Flexibilität.
Am Ende hast du einen einzigen Take, der aus vielen klar getrennten Abschnitten besteht.
Fazit: One-Take, aber entspannt
One-Takes sind kein Problem. Sie sind sogar eine sehr gute Lösung – wenn man sie richtig nutzt.
Wer versucht, einen perfekten Monolog aufzunehmen, macht es sich unnötig schwer. Wer den One-Take in einzelne Abschnitte denkt und sich kurze Pausen erlaubt, spart Zeit, Nerven und Aufwand.
Du drehst alles in einem Rutsch, hast saubere Schnittpunkte, weniger Frust und am Ende ein Video, das natürlicher wirkt als jeder „perfekte“ Durchgang.
Und genau darum geht es: effizient aufnehmen, ohne sich selbst im Weg zu stehen.