Wenn man sich Videos von manchen Creator:innen anschaut, wirkt es oft so, als stünde hinter ihnen ein ganzes Filmteam. Das Bild ist ruhig, das Licht weich, die Farben sauber – und das, obwohl sie offensichtlich einfach in einem ganz normalen Raum stehen. Kein Studio, keine sichtbare Technik, kein großes Setup.
Der Grund dafür ist erstaunlich simpel:
Die meisten stehen einfach vor einem Fenster.
Fensterlicht ist weich, gleichmäßig und schmeichelhaft. Besonders am Vormittag, wenn das Licht diffus einfällt, entstehen kaum harte Schatten. Hauttöne wirken natürlicher, Augen klarer, Farben ruhiger. Genau deshalb sehen viele Videos hochwertig aus, obwohl weder Kamera noch Technik besonders aufwendig sind.
Wenn man das einmal weiß, erkennt man es überall. Influencer, Coaches, TikTok-Creator – sie nutzen Fensterlicht nicht, weil sie kein Equipment hätten, sondern weil es kostenlos ist und in den meisten Fällen besser aussieht als künstliches Licht.
Der Nachteil liegt allerdings auf der Hand: Fensterlicht ist unzuverlässig. Es hängt vom Wetter ab, von der Tageszeit, vom Sonnenstand und vom Raum selbst. Wenn das Licht von der falschen Seite kommt oder der Raum dunkel ist, war es das mit dem „professionellen Look“.
Genau deshalb lohnt es sich, Licht grundsätzlich zu verstehen. Nicht, um ein Studio zu bauen, sondern um entweder das Fenster optimal zu nutzen oder ein Setup zu haben, das unabhängig davon funktioniert.
Warum ein Ringlicht oft nicht die beste Lösung ist
Das Ringlicht gilt für viele als die klassische Influencer-Lampe. Ursprünglich kommt es aus der Beauty-Bubble, wo es darum geht, das Gesicht möglichst gleichmäßig auszuleuchten. Keine Schatten, keine Kontraste, jedes Detail soll sichtbar sein – ideal zum Schminken.
Für erklärende Videos oder Talking-Head-Content ist dieses Licht aber oft zu frontal. Es nimmt dem Gesicht Tiefe, lässt es flach wirken und erzeugt schnell diesen typischen Ringlicht-Look, der eher künstlich als hochwertig wirkt.
Das heißt nicht, dass man kein Ringlicht verwenden darf. Es heißt nur, dass man es anders einsetzen sollte. Statt direkt frontal kann es leicht seitlich oder etwas erhöht positioniert werden, sodass es eher wie ein natürliches Hauptlicht wirkt. Dadurch bleibt das Licht weich, ohne das Gesicht komplett „plattzuleuchten“.
Wie ein einfaches Licht-Setup professionell wirkt
Wer unabhängig von Tageszeit und Wetter filmen möchte, profitiert von einem kleinen, durchdachten Licht-Setup. Dafür braucht es kein Studio, sondern ein grundlegendes Verständnis davon, wie Licht im Alltag wirkt.
Ein guter Vergleich ist die Sonne draußen. Steht sie direkt über uns, entstehen harte Schatten unter Augen und Nase. Das Licht ist zwar hell, aber wenig schmeichelhaft. Genau dieses Prinzip hilft, Licht im Raum besser zu verstehen.
Das Key Light – dein Hauptlicht
Das Key Light ist die wichtigste Lichtquelle. Es bestimmt, wie dein Gesicht wahrgenommen wird. Idealerweise steht es leicht seitlich und etwas oberhalb der Augenhöhe – ähnlich wie Fensterlicht, wenn man sich gut positioniert. So entsteht ein natürliches, klares Bild mit Tiefe.
Allein verwendet kann das Key Light allerdings noch leichte Schatten erzeugen. Das ist nicht schlimm, aber sichtbar.
Das Fill Light – für Ruhe im Bild
Das Fill Light gleicht genau diese Schatten aus. Es steht auf der gegenüberliegenden Seite des Key Lights, ist aber deutlich schwächer. Man kann es sich wie eine helle Wand vorstellen, die Licht zurückwirft. Dadurch verschwinden harte Kontraste, ohne dass das Gesicht flach oder überbelichtet wirkt.
Gerade wer bisher nur mit einer einzelnen Lampe gearbeitet hat, merkt hier sofort den Unterschied. Das Bild wirkt ruhiger und ausgeglichener.
Das Back Light – Abstand zum Hintergrund
Steht man direkt vor einer Wand, wirkt das Bild oft flach. Ein Back Light sorgt für Trennung. Es steht leicht erhöht hinter der Person und erzeugt eine feine Lichtkante an Schultern oder Haaren. Das gibt dem Bild Tiefe und lässt es sofort hochwertiger wirken.
Dieser Effekt fällt vielen erst auf, wenn er fehlt – ist dann aber kaum zu ignorieren.
Fazit: Du brauchst kein Studio, sondern Verständnis
Licht wirkt dann professionell, wenn es natürlich erscheint. Genau deshalb funktioniert Fensterlicht so gut – und genau deshalb scheitern viele an falscher künstlicher Beleuchtung.
Man braucht kein Studio und auch kein perfektes Setup. Aber es hilft enorm zu verstehen, warum bestimmte Lichtquellen gut funktionieren und andere nicht. Wer das einmal begriffen hat, kann sowohl mit einem Fenster als auch mit einem einfachen Licht-Setup sehr hochwertige Videos aufnehmen.
Und wenn du dir gerade unsicher bist, wie du deinen Raum sinnvoll ausleuchten kannst, musst du das nicht allein herausfinden. Man spart sich viel Frust, Fehlkäufe und Zeit, wenn man einmal sauber analysiert, was wirklich passt – statt einfach irgendwas zu bestellen und zu hoffen, dass es funktioniert.