Im Studium wurde mir relativ früh klar, dass Fachwissen allein nichts bringt, wenn es niemand versteht. Nicht, weil die Inhalte falsch wären, sondern weil sie schlecht aufbereitet sind.
Das erste Mal richtig bewusst wurde mir das, als wir unsere ersten Präsentationen halten sollten. Wir mussten wissenschaftliche Studien selbst lesen, einordnen und daraus verständliche Vorträge bauen. Ich war überzeugt, meine Präsentation sei solide – fachlich sauber, logisch aufgebaut, gut recherchiert.
Womit ich nicht gerechnet hatte, waren die Präsentationen der anderen.
Die erste Folie, die aufleuchtete, hatte einen dunkelblauen Hintergrund mit roter Schrift, war überladen und kaum lesbar. Ich saß im Hörsaal und dachte nur: Wir sind an einer Universität. Wie kann das niemanden stören?
In diesem Moment wurde mir klar, wie groß die Lücke zwischen Wissen und Verständlichkeit ist. Wir hatten alle dasselbe Ausgangsmaterial, doch während einige Inhalte komplett verpufften, waren andere plötzlich greifbar. Der Unterschied lag nicht im Wissen, sondern in der Art der Darstellung.
Seitdem lässt mich dieser Gedanke nicht mehr los:
Gestaltung ist kein nettes Extra. Sie entscheidet darüber, ob Inhalte überhaupt ankommen.
Warum Inhalte scheitern, wenn die Aufbereitung nicht stimmt
Im Studium wurde schnell deutlich, dass niemand gelernt hatte, Inhalte visuell verständlich aufzubereiten. Präsentationen galten als Prüfungsleistung, nicht als Kommunikationsmittel. Es ging darum, etwas abzugeben – nicht darum, sicherzustellen, dass es jemand versteht.
Ich selbst bin ein sehr visueller Mensch. Unruhige Folien, schlechte Kontraste oder Farben, die gegeneinander arbeiten, sorgen bei mir dafür, dass Inhalte gar nicht erst verarbeitet werden. Später habe ich verstanden: Das ist kein individuelles Problem, sondern ein grundsätzliches.
Menschen nehmen zuerst die Form wahr und bewerten erst danach den Inhalt.
Im Hörsaal blieb man trotzdem sitzen. Auf Social Media funktioniert das nicht. Wenn Struktur, Lesbarkeit oder visuelle Klarheit nicht passen, bekommt der Inhalt keine Chance.
Genau deshalb habe ich früh begonnen, Informationen auseinanderzunehmen, neu zu ordnen und visuell zu strukturieren. Nicht, um sie zu vereinfachen, sondern um sie zugänglich zu machen.
Was gute Aufbereitung bewirken kann
Besonders deutlich wurde mir das in der Immunologie. Wir sollten erklären, wie CD8-positive Immunzellen potenziell veränderte Zellen abtöten – ein Prozess mit mehreren Wegen, Abzweigungen und Sonderfällen. Es gab keine gute Grafik dazu, und mein erster Versuch auf einem DIN-A3-Blatt war zwar fachlich korrekt, aber völlig unbrauchbar.
Also habe ich den Prozess zerlegt und mit Prezi eine Präsentation gebaut, die Schritt für Schritt in die Zelle hineinzoomte. Erst Orientierung, dann ein Weg, dann der nächste, dann die Verbindungen. Jede Information genau dort, wo sie gebraucht wurde – nicht alles auf einmal.
Dabei wurde mir klar, dass komplexe Inhalte dann verständlich werden, wenn man sie schrittweise sichtbar macht.
Dieses Prinzip zieht sich bis heute durch meine Arbeit. Viele meiner Kund:innen sind absolute Expert:innen. Genau das macht es ihnen aber oft schwer einzuschätzen, was Außenstehende wissen, sehen oder brauchen. Was für sie logisch ist, wirkt für andere wie ein Einstieg mitten im Satz.
Meine Aufgabe ist es, dieses Fachwissen in eine visuelle Struktur zu übersetzen – klar geführt, nachvollziehbar und so aufgebaut, dass Menschen ohne Vorwissen folgen können.
Warum das auf Social Media noch wichtiger ist
Was im Hörsaal schon problematisch war, wird auf Social Media endgültig sichtbar.
Dort zählt nicht nur der Inhalt, sondern vor allem der erste Eindruck. Inhalte werden gnadenlos visuell bewertet. Text muss lesbar sein, Kontraste müssen stimmen, nichts darf im Randbereich verschwinden, wo App-Elemente es überlagern. Der Hintergrund darf nicht ablenken, Licht und Bildqualität müssen passen, und der Einstieg braucht Kontext, weil niemand freiwillig „mitdenkt“.
Das sind keine Kleinigkeiten. Das sind Gründe, warum ein Video gar nicht erst angesehen wird.
Während man im Hörsaal sitzen bleiben musste, entscheidet auf Social Media ein Wischen darüber, ob dein Inhalt überhaupt konsumiert wird. Selbst hervorragende Inhalte verlieren, wenn der erste Eindruck technisch oder visuell nicht überzeugt.
Deshalb beginnt professionelle Videoproduktion nicht im Schnitt, sondern beim Verständnis dafür, wie Menschen Inhalte wahrnehmen.
Fazit: Wissen braucht eine Form, die es trägt
Vom Immunologie-Referat bis zu meinen heutigen Reels zieht sich ein klares Prinzip durch meine Arbeit: Wissen wirkt nur, wenn es verständlich präsentiert wird.
Viele Fachleute besitzen enormes Know-how. Dieses Wissen bleibt jedoch unsichtbar, wenn es nicht so aufbereitet ist, dass Außenstehende folgen können – inhaltlich wie visuell.
Deshalb besteht meine Arbeit weniger im Schneiden von Videos als im Übersetzen von Wissen. Ich zerlege komplexe Inhalte, strukturiere sie neu und mache sie visuell zugänglich. Nicht, um sie zu vereinfachen, sondern um sicherzustellen, dass sie überhaupt ankommen.
Am Ende geht es nicht um Effekte oder Trends.
Es geht darum, dass die Botschaft verstanden wird.
Und das passiert nur, wenn Form und Inhalt zusammenarbeiten.